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German law scales balanced with books, symbolizing title protection

Deutschlands einzigartiges Titelschutzrecht: Was ausländische Self-Publisher wissen müssen, bevor sie ihr E-Book übersetzen

Wenn du als Autor dein E-Book ins Deutsche übersetzt hast und es nun über Amazon KDP (oder Tolino Media, das knapp unter 50 % des deutschen digitalen Buchmarkts hält!) selbst veröffentlichen möchtest, hast du dich wahrscheinlich bereits durch die naheliegenden Fragen gearbeitet — Preisgestaltung, Formatierung und vielleicht sogar Steuerformulare. Doch es gibt eine typisch deutsche Regelung, die viele ausländische Autoren völlig übersehen, bis es zu spät ist: den Titelschutz.

Was ist Titelschutz?

In den meisten englischsprachigen Ländern ist ein Buchtitel nicht urheberrechtlich schützbar. Das US Copyright Office ist in diesem Punkt eindeutig, und obwohl ein markenrechtlicher Schutz für Serientitel theoretisch möglich ist, gilt er selten für eigenständige Werke. In Deutschland ist das anders. Gemäß §§ 5 und 15 des Markengesetzes (MarkenG) erhält ein Buchtitel mit ausreichender Unterscheidungskraft automatisch rechtlichen Schutz, sobald er veröffentlicht wird. Keine Registrierung, kein Antrag, keine Gebühr. Der Titel wird allein durch seine Präsenz am Markt zum geschützten Werktitel.

Dieser Schutz gilt vollumfänglich für E-Books, die das deutsche Recht gemäß § 5 Abs. 3 MarkenG als „sonstige vergleichbare Werke" einordnet. Selbst wenn du eine rein digitale deutsche Übersetzung aus dem Ausland heraus selbst veröffentlichst, bewegst du dich innerhalb dieses rechtlichen Rahmens.

Warum das für dich relevant ist

Das Problem liegt nicht darin, deinen eigenen Titel zu schützen — das geschieht automatisch mit der Veröffentlichung. Das Risiko besteht darin, unbeabsichtigt einen Titel zu verwenden, der bereits von jemand anderem geschützt ist.

Wenn du eine deutsche Übersetzung mit einem Titel veröffentlichst, der einem bestehenden geschützten Werktitel zu ähnlich ist, kann der Rechteinhaber dir eine Abmahnung schicken und dich auffordern, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen — in der Regel verbunden mit einer Vertragsstrafe von über 5.000 €, falls du dagegen verstößt. Darüber hinaus haftest du für die Anwaltskosten der Gegenseite, die üblicherweise zwischen 700 und 1.200 € oder mehr betragen. Zusätzlich kann der Rechteinhaber einen Unterlassungsanspruch oder sogar Schadensersatz geltend machen.

So recherchierst du richtig

Da Titelschutz durch Benutzung und nicht durch Eintragung entsteht, gibt es keine einzige offizielle Datenbank, die du einfach abfragen könntest. Du kannst jedoch mehrere Quellen heranziehen:

Die erste Anlaufstelle ist das VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher), die zentrale Metadatenplattform des deutschsprachigen Buchhandels, die ohne Konto unter buchhandel.de durchsuchbar ist. Sie erfasst die große Mehrheit der im traditionellen Vertrieb befindlichen Titel. Allerdings — und das ist für ausländische Autoren besonders wichtig — landet nicht jedes selbst veröffentlichte E-Book im VLB. Bücher, die ausschließlich über Amazon ohne ISBN verkauft werden, sind dort beispielsweise häufig nicht verzeichnet, obwohl sie dennoch vollständigen Titelschutz genießen. Aus diesem Grund ist eine direkte Suche auf Amazon.de ebenfalls unverzichtbar.

Wer besonders gründlich vorgehen möchte, kann zusätzlich den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) durchsuchen, im Markenregister des DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) nach eingetragenen Marken recherchieren und die Archive der Titelschutzanzeigen im Börsenblatt — dem Fachblatt des deutschen Buchhandels — einsehen, das vorveröffentlichte Titelanmeldungen der zurückliegenden sechs Monate dokumentiert.

Eine praktische Abkürzung: die integrierte Titelprüfung von Bookshift

(Wer bereits Bookshift für seine Übersetzung nutzt, kann sich freuen: Unsere Plattform durchsucht automatisch die Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) sowie Google Books und generiert einen direkten Sucheinstieg auf Amazon.de — zugänglich über unsere Tools-Seite oder direkt beim Einreichen deines Buches auf der Submit-Seite. —David)

Solltest du selbst eine Titelschutzanzeige aufgeben?

Eine Titelschutzanzeige ist eine optionale Vorabankündigung, die deinen Prioritätsanspruch auf einen Titel sichert, bevor das Buch erscheint. Sie wird in Fachzeitschriften wie dem Börsenblatt oder dem Buchmarkt veröffentlicht und kostet zwischen etwa 25 und 110 €. Der Haken: Die Anzeige ist nur fünf bis sechs Monate gültig — erscheint das Buch in diesem Zeitraum nicht, erlischt der Schutz.

Unter deutschen Selfpublishing-Beratern herrscht weitgehend Einigkeit über die pragmatische Abwägung: Wer innerhalb eines Monats veröffentlichen kann, sollte auf die Anzeige verzichten. Wer mehr Zeit benötigt und einen hinreichend unverwechselbaren deutschen Titel schützen möchte, ist mit den überschaubaren Kosten gut beraten.

Ein Wort zu Titelüberschneidungen und Genre

Eine Feinheit, die es wert ist, bekannt zu sein: Titelschutz gilt nicht absolut in jedem Kontext. Gerichte prüfen, ob zwischen zwei Werken eine echte Verwechslungsgefahr besteht — was unter anderem vom Genre und der Zielgruppe abhängt. Ein Titel, der für einen historischen Liebesroman verwendet wird, kollidiert weniger wahrscheinlich mit denselben Wörtern in einem Business-Sachbuch als mit einem anderen historischen Liebesroman. Dennoch gilt: Eine leicht veränderte Schreibweise oder das bloße Umstellen einzelner Begriffe reicht nicht aus, um einen Konflikt zu vermeiden — die deutsche Rechtsprechung sieht solche Umgehungsversuche ausgesprochen kritisch.

Das Fazit

Für ausländische Selfpublisher gilt: Sorgfalt und gute Vorbereitung sind das A und O. Deutschlands Titelschutzsystem gehört zu den autorfreundlichsten Titelschutzregelungen weltweit — und das kommt, wohlgemerkt, auch dir zugute, genauso wie allen anderen Autoren.


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